Smart Home im Camper: Ein autarkes Setup mit Home Assistant aufbauen
Die Automatisierung des eigenen Zuhauses bringt viel Komfort. Wer diese Vorteile auch unterwegs nicht missen möchte, steht beim Thema "Smart Home im Wohnwagen" vor speziellen Herausforderungen. Meist fehlt ein fester Internetanschluss, die Hardware ist Erschütterungen ausgesetzt und nicht jeder Wohnwagen verfügt über eine autarke Stromversorgung über eine Aufbaubatterie. In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du mit überschaubarem Hardware-Einsatz ein komplett autarkes und stabiles Smart-Home-Setup für deinen Camper aufbaust.
(KI-generiert, dient zur Veranschaulichung)
Die Netzwerkgrundlage: Warum ein 4G/LTE-Router ausreicht
Ein Smart Home benötigt ein zuverlässiges lokales Netzwerk. Da WLAN-Hotspots auf Campingplätzen oft instabil oder überlastet sind, ist ein eigener Mobilfunkrouter die beste Lösung. Ich setze hierbei auf ein Modell aus der FRITZ!Box-68xx-Reihe in Hochkant-Bauform (wie die FRITZ!Box 6820* (Werbung) oder FRITZ!Box 6825* (Werbung)). Du fragst dich vielleicht, warum nicht direkt auf 5G gesetzt wird?
Zwar sind aktuelle 5G-Router abwärtskompatibel und nutzen an Standorten ohne 5G-Abdeckung automatisch das 4G-Netz, doch es gibt zwei praxisnahe Gründe, die für ein reines LTE-Gerät sprechen: Zum einen arbeiten 4G-Modems deutlich energieeffizienter. Im Camper zählt jedes Watt, und der geringere Stromverbrauch eines reinen LTE-Routers schont die begrenzten Energiereserven spürbar. Zum anderen sind 4G-Router in der Anschaffung wesentlich günstiger. Der Datendurchsatz von 4G reicht für die Steuerung von Smart-Home-Komponenten, Telemetriedaten und gelegentliches Streaming absolut aus.
Die Smart-Home-Zentrale: Home Assistant auf dem Raspberry Pi 5
Als Herzstück des Systems kommt Home Assistant zum Einsatz. Der größte Vorteil dieser Open-Source-Plattform ist die lokale Datenverarbeitung: Im Gegensatz zu vielen proprietären Cloud-Lösungen funktioniert dein Smart Home im Camper auch dann reibungslos, wenn der Router auf der Fahrt oder in ländlichen Gebieten einmal in ein Funkloch gerät. Zudem unterstützt Home Assistant tausende Geräte unterschiedlicher Hersteller, was dir maximale Flexibilität bei der Wahl deiner Hardware gibt.
Die Wahl der Hardware fiel auf den Raspberry Pi 5* (Werbung). Dieser Einplatinencomputer bietet eine ideale Balance aus geringem Stromverbrauch und hoher Performance. Er liefert mehr als genug Leistungsreserven, selbst wenn du später rechenintensivere Aufgaben wie eine Überwachungskamera für den Außenbereich oder komplexe Automatisierungen hinzufügen möchtest.
Autarke Stromversorgung: Bordbatterie oder Powerstation?
Viele Wohnwagen verfügen bereits über eine 12V-Aufbaubatterie, beispielsweise um einen Mover zu betreiben. In diesem Fall kann die Hardware für das Smart Home oft direkt an das bestehende Bordnetz angeschlossen werden. Wenn dein Wohnwagen jedoch keine eigene Batterie besitzt oder du das Smart-Home-System bewusst von der restlichen Bordelektrik entkoppeln möchtest, ist eine portable Powerstation (wie beispielsweise die EcoFlow River 2 Max* (Werbung)) eine pragmatische und effektive Alternative.
Die Powerstation fungiert dann als isolierte Stromversorgung für unser Smart Home und verbleibt dauerhaft im Camper. Sie versorgt den LTE-Router und den Raspberry Pi kontinuierlich mit Energie. Der reguläre Betrieb sieht so aus: Sobald der Wohnwagen am Landstrom angeschlossen ist (z. B. auf dem Campingplatz oder zu Hause), wird die Powerstation geladen. Moderne Geräte unterstützen dabei eine EPS-Funktion (Emergency Power Supply) beziehungsweise Pass-Through-Laden. Das bedeutet, der Netzstrom wird direkt an die angeschlossenen Verbraucher (Router, Pi und ggf. andere Smart Home Geräte) durchgereicht. Die Akkuzellen der Powerstation werden dabei geschont und dienen lediglich als unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV), falls der Landstrom ausfällt.
Nur bei Bedarf – etwa wenn du autark stehst oder während einer längeren Anreise – greifst du auf die Flexibilität der Powerstation zurück: Du kannst sie dann über ein portables Solarpanel nachladen, während der Fahrt an den 12V-Zigarettenanzünder des Zugfahrzeugs klemmen oder sie im Winterlager einfach abstöpseln und mit nach Hause nehmen.
Vermeide es, den Raspberry Pi und den Router über die normalen 230V-Steckdosen der Powerstation zu betreiben. Der Wechselrichter der Powerstation (der den Gleichstrom der Batterie in Wechselstrom umwandelt) und die anschließenden Netzteile verursachen hohe Wandlungsverluste. Versorge deine Geräte stattdessen direkt mit Gleichstrom:
- Für die FRITZ!Box: Die FRITZ!Box-Modelle 6820 and 6825 benötigen nativ 12V Gleichstrom. Du kannst sie über ein simples, passendes DC-Hohlstecker-Verlängerungskabel* (Werbung) (Außendurchmesser 5,5 mm / Innendurchmesser 2,5 mm, Pluspol innen) direkt mit dem 12V-Ausgang der Powerstation verbinden. Ein zusätzlicher Spannungswandler ist hierbei nicht nötig.
- Für den Raspberry Pi 5: Der USB-C-Ausgang der EcoFlow River 2 Max liefert laut Datenblatt die für den Pi 5 benötigten 5V/5A (100W Max). Damit der Raspberry Pi diese 5 Ampere aber auch fehlerfrei aushandelt und die Stromversorgung für die SSD nicht drosselt, ist das Kabel entscheidend. Standard-USB-C-Kabel sind oft auf 3 Ampere limitiert. Nutze zwingend ein hochwertiges 100-W-PD-Kabel mit integriertem E-Marker-Chip* (Werbung). Nur durch diesen Chip wissen Powerstation und Raspberry Pi, dass das Kabel für 5 Ampere ausgelegt ist, und geben die volle Leistung zuverlässig frei.
Sicherer Fernzugriff per Mobilfunk: Die Lösung mit Tailscale
Um von unterwegs – etwa von einem Ausflug – auf das Dashboard im Wohnwagen zuzugreifen, müssen wir eine technische Hürde nehmen. Mobilfunkanbieter vergeben in der Regel keine öffentlichen IPv4-Adressen an ihre Endkunden. Sie nutzen stattdessen Carrier-Grade NAT (CGNAT). Das bedeutet, herkömmliche Portfreigaben (Port Forwarding) im Router funktionieren nicht.
Die Lösung für dieses Problem ist Tailscale. Es baut ein auf WireGuard basierendes Mesh-VPN auf, das selbst durch restriktive Mobilfunknetze und CGNAT hindurch funktioniert. Die Einrichtung ist dank der offiziellen Home Assistant App in wenigen Minuten erledigt.
Tailscale in Home Assistant installieren
- Navigiere in Home Assistant zu Einstellungen > Apps.
- Klicke unten rechts auf App installieren.
- Suche nach "Tailscale" und klicke auf die offizielle App.
- Klicke auf Installieren. Aktiviere nach der Installation die Optionen "In der Seitenleiste anzeigen", "Watchdog" und "Starten beim Booten", um schnellen Zugriff zu haben, und starte die App.
Anmeldung und Autorisierung
Sobald die App läuft, öffnest du die Benutzeroberfläche (Web-UI) von Tailscale direkt in Home Assistant oder über den Protokoll-Tab der App. Dort wird dir ein Anmeldelink angezeigt.
- Klicke auf den Link, um auf die offizielle Webseite von Tailscale weitergeleitet zu werden.
- Logge dich in deinen bestehenden Tailscale-Account ein (oder erstelle kostenlos ein neues Konto).
- Bestätige die Verbindung des Raspberry Pi ("Authorize"). Der Pi ist nun Teil deines privaten, verschlüsselten VPN-Netzwerks.
Smartphone verbinden und Dashboard aufrufen
Um nun von unterwegs auf dein System zuzugreifen, installierst du die Tailscale-App auf deinem Smartphone oder Tablet und meldest dich mit dem selben Account an. Sobald VPN in der App aktiviert ist, verhält sich dein Smartphone so, als wäre es direkt im lokalen WLAN des Wohnwagens.
In der Tailscale-App siehst du in den Gerätedetails deines Raspberry Pi nun alle relevanten Verbindungsdaten. Tailscale weist dem Pi nicht nur feste IP-Adressen zu, sondern generiert über die sogenannte MagicDNS-Funktion auch direkt lesbare Hostnamen. Du findest dort typischerweise:
- Tailscale IPv4: z. B. 100.126.xxx.xxx
- Tailscale IPv6: z. B. fd7a:115c:...
- Short domain: z. B. homeassistant
- Full domain: z. B. homeassistant.tailxxxxxx.ts.net
Über diese Adressen und den angehängten Home-Assistant-Port (8123) kannst du dein Dashboard nun im mobilen Browser oder in der Companion-App aufrufen. Am komfortabelsten ist die Nutzung der generierten Domain:
# Zugriff über die IPv4-Adresse:
http://100.126.xxx.xxx:8123
# Zugriff über die komfortable Full Domain:
http://homeassistant.tailxxxxxx.ts.net:8123
Smarter Schutz vor Datenverlust: Automatische Notabschaltung
Wenn du die Powerstation autark nutzt, besteht immer das Risiko, dass der Akku bei längeren Standzeiten leerläuft. Wird dem Raspberry Pi im laufenden Betrieb abrupt der Strom entzogen, kann dies das Dateisystem der SSD beschädigen und zu Datenverlust führen. Mit einer automatischen Notabschaltung lösen wir dieses Problem elegant.
Die Powerstation in Home Assistant integrieren
Um den Ladestand (State of Charge, kurz SOC) der EcoFlow auszulesen, binden wir sie in Home Assistant ein. Für EcoFlow-Geräte nutzen wir die offizielle Entwickler-Schnittstelle (IoT-API) des Herstellers in Verbindung mit einer maßgeschneiderten Integration aus der Community.
Entwickler-Zugang bei EcoFlow aktivieren
EcoFlow stellt eine offizielle API bereit, über die sich Gerätedaten abrufen lassen. Dafür benötigst du persönliche Schlüsselpaare:
- Melde dich auf der EcoFlow Developer Platform an. Du kannst dafür deine ganz normalen Zugangsdaten der EcoFlow-App nutzen.
- Wechsle in das Entwickler-Dashboard (IoT-Hintergrund). Unter deinem Profil bzw. den API-Sicherheitseinstellungen werden dir direkt die API-Schlüssel für deinen Account angeboten.
- Notiere dir den Access Key. Klicke anschließend auf "Obtain" oder das Augen-Symbol, um den Secret Key anzuzeigen (hierfür schickt EcoFlow aus Sicherheitsgründen oft einen kurzen Bestätigungscode an deine E-Mail-Adresse). Diese beiden Schlüssel dienen später zur Authentifizierung.
EcoFlow Cloud Integration installieren
Die flexibelste Integration zur Anbindung ist "EcoFlow Cloud". Diese wird über den Community Store (HACS) bezogen:
- Gehe in Home Assistant im linken Menü auf HACS.
- Wähle den Bereich Integrationen und klicke unten rechts auf Durchsuchen und Herunterladen.
- Suche nach "EcoFlow Cloud" und lade die Integration herunter.
- Starte Home Assistant einmal komplett neu, damit die neue Integration geladen wird.
Verbindung zur Powerstation einrichten
- Navigiere zu Einstellungen > Geräte & Dienste.
- Klicke unten rechts auf Integration hinzufügen und suche nach "EcoFlow Cloud".
- Gib die E-Mail-Adresse deines EcoFlow-Kontos sowie die beiden im ersten Schritt notierten Schlüssel (Access Key und Secret Key) ein.
- Die Integration stellt nun eine Verbindung her und legt deine River 2 Max automatisch als neues Gerät in Home Assistant an. Du erhältst Zugriff auf zahlreiche Entitäten, darunter auch den genauen Ladestand (z. B.
sensor.river2max_battery_level).
Automatisierung für den kontrollierten Shutdown erstellen
Wir erstellen nun eine Automatisierung, die den Pi kontrolliert herunterfährt, sobald der Akkustand der Powerstation unter einen kritischen Schwellenwert (z. B. 5 %) fällt. Home Assistant bringt hierfür standardmäßig den Dienst hassio.host_shutdown mit.
Erstelle eine neue Automatisierung in Home Assistant und wechsle oben rechts über die drei Punkte in den YAML-Modus. Kopiere anschließend folgenden Code hinein:
alias: "Camper: Notabschaltung bei niedrigem Akku"
description: "Fährt den Raspberry Pi sauber herunter, wenn die Powerstation fast leer ist, um das Dateisystem zu schützen."
trigger:
- platform: numeric_state
entity_id: sensor.river2max_battery_level # Passe diese Entity-ID an deine Powerstation an
below: 5
condition: []
action:
- service: notify.persistent_notification
data:
title: "Notabschaltung eingeleitet"
message: "Der Akkustand der Powerstation liegt unter 5%. Home Assistant wird heruntergefahren."
- delay: "00:00:10" # Kurze Verzögerung, damit die Benachrichtigung noch verarbeitet werden kann
- service: hassio.host_shutdown
data: {}
mode: single
Das System wächst: Meine umgesetzten Camper-Projekte
Das technische Fundament steht: Auf Basis meines Raspberry Pi 5 wächst mein mobiles Smart Home nun kontinuierlich. Für größere Teilprojekte erstelle ich jeweils ausführliche, separate Berichte. Folgende Themen habe ich bereits im Detail dokumentiert:
- Klima- und Raumüberwachung (via Zigbee): Ob die Temperaturkontrolle im Absorber-Kühlschrank, die Luftfeuchtigkeitsüberwachung als Schimmelprävention im Winterlager oder smarte Tür- und Fensterkontakte – für diese batteriebetriebenen Sensoren nutze ich den extrem sparsamen Funkstandard Zigbee. Wie du dir dieses lokale Netz aufbaust, zeige ich dir in meinem Beitrag zur Zigbee-Einrichtung mit Home Assistant.
- Sicherheit und Alarmierung (X-Sense Melder): Ein sicheres Gefühl, egal wo der Wohnwagen steht. Um bei Rauchentwicklung oder einem unbemerkten Wasseraustritt (z. B. an der Therme) sofort per Push-Nachricht alarmiert zu werden, nutze ich smarte Melder von X-Sense. Wie die cloudfreie, lokale Anbindung gelingt, liest du in meiner Anleitung zur Integration der X-Sense Melder in Home Assistant.
Mein aktuelles Camper-Setup (Hardware-Liste)
Für einen besseren Überblick habe ich die verwendete Hardware meines aktuellen Setups hier nach Einsatzgebiet geclustert. Diese Liste wächst natürlich mit jedem neuen Projekt weiter:
🌐 Zentrale, Netzwerk & Steuerung
- Raspberry Pi 5* (Werbung): Das lokale Herzstück meines Smart Homes (Zum Bericht).
- FRITZ!Box 6825* (Werbung): Kompakter LTE-Router für eine dauerhafte, autarke Internetverbindung.
- Lenovo Tab Tablet 10.1"* (Werbung): Wandmontiertes Tablet zur Visualisierung des Dashboards und komfortablen Steuerung direkt im Fahrzeug.
⚡ Stromversorgung & Energiemanagement
- EcoFlow River 2 Max* (Werbung): Portable Powerstation, dient als autarke Energiequelle und USV-Anlage für das Netzwerk.
- Shelly EM 50A* (Werbung): WLAN-Stromzähler zur genauen Überwachung und Messung des Energieverbrauchs.
- Shelly 1 Mini* (Werbung): Ultrakompaktes WLAN-Relais für diverse Schaltungen im Wohnwagen.
🛡️ Klima, Sensoren & Sicherheit
- SONOFF SNZB-02P* (Werbung): Extrem kompakter Zigbee-Sensor zur Überwachung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Innenbereich.
- SONOFF SNZB-02LD* (Werbung): Robuster Zigbee-Temperatursensor mit Display und externem Kabelfühler, ideal für die Außentemperatur.
- Aqara Tür- und Fenstersensor* (Werbung): Um den Zustand von Dachluken, Klappen oder der Eingangstür im Blick zu behalten.
- Aqara Drahtloser Fernschalter H1* (Werbung): Drahtloser Zigbee-Taster zur einfachen Steuerung von Szenen oder Schaltungen im Camper.
- ESP32* (Werbung) mit Schwimmerschalter* (Werbung): Eine einfache und präzise DIY-Lösung zur Füllstandsmessung direkt im Frischwassertank.
- XP0A-MR11* (Werbung): Smarter und vernetzter Kombi-Melder für Rauch und Kohlenmonoxid (Zum Bericht).
- SWS0A* (Werbung): Wassermelder, der bei Feuchtigkeit (z. B. an der Therme) sofort Push-Nachrichten sendet.